Oh Du stressige Vorweihnachtszeit ... (Gastbeitrag)

Heute habe ich einen kleinen Gastbeitrag für dich. Die liebe Madlen von Gedankenwürfelei gibt dir einen kleinen Einblick wie die eigenen Erwartungen als Eltern nicht mit den Bedürfnissen ihrer Tochter zusammen passen. Ich sage vielen Dank!

Oh Du stressige Vorweihnachtszeit ... (Gastbeitrag)

Vielleicht kennt ihr das auch: Der Herbst leitet eine ganze Reihe Feiertage ein und verleiht dem endenden Jahr noch einmal spannenden Aufschwung. Wir basteln für Halloween, besuchen mit unseren Kindern einen Laternenumzug nach dem anderen, backen für die Adventszeit und planen akribisch den Jahreswechsel. Möglicherweise haben wir zwischendrin noch den einen oder anderen Geburtstag vorzubereiten und plötzlich befinden wir uns mitten im Feiertagsstress und diese doch eigentlich besinnliche Zeit sorgt für drei graue Haare mehr und überlastete Nerven.

Ich weiß nicht mehr genau, wie das in meiner Kindheit war. Wir verkleideten uns nicht am und speziell für den 31. Oktober. Zum Geburtstag gab es meist unglaublich leckere Waffeln und Käsekuchen und die Weihnachtszeit war spätestens dann eingeläutet, wenn Papa die Advents-Pyramide aus dem Keller holte und versuchte, sie zum Laufen zu bringen. Diese Zeit versprühte etwas ganz Besonderes: Es dämmerte schon sehr früh und der typische Winterduft lag in der Luft. Wie sie sich für meine Mama anfühlte kann ich nur erahnen, aber ich wage zu behaupten, dass wir uns heute einen sehr großen Druck auferlegen - ganz besonders dann, wenn wir Mütter sind. Inspirationen findet man mittlerweile überall. Auf digitalen Pinnwänden und minimalistisch gestalteten Blogs sammeln wir Ideen, die wir unbedingt umsetzen und der Welt zeigen wollen. Wir vergleichen uns mit anderen, wollen immer mehr und immer besser sein. Wir teilen unsere Zeit fest ein und vergessen darüber hinaus oftmals die Besinnlichkeit, die Ruhe und das Ankommen - all die Dinge, die wir unseren Lieben auf wunderschön selbstgebastelten Karten unter dem Weihnachtsbaum wünschen. 

Natürlich machen wir all das nicht nur für uns: Unser Nachwuchs soll sich an zauberhaften Erinnerungen erfreuen. Er soll die Magie spüren, die wir mit unseren liebevoll geschmückten Tischen und perfekt arrangierten Photos einfrieren und lange haltbar machen wollen. Doch eines kann ich verraten: Die Vorstellung vom perfekten Fest liegt oftmals, eigentlich immer, weit hinter der chaotischen Realität.

Kürzlich feierten wir mit unserer Dreijährigen Halloween bei einer befreundeten Familie. Das allererste Mal verkleidete sich unsere Tochter für diesen inoffiziellen Feiertag - sie fand es spannend und konnte sich nur schwer zwischen Hexe und Fledermaus entscheiden. Wir pflegten dahingehend bisher kein festes Ritual, also bastelten wir die Wochen zuvor: Gruselige Masken, Filz-Girlanden, Fledermaus-Flügel mit glitzerndem Muster und, und, und ... Wir dekorierten zusammen unseren Eingangsbereich mit Kürbissen, schwarzen Netzen und glibberigen Spinnen und kauften Süßigkeiten für die Kinder ein, die vielleicht an unserer Tür klingeln würden. Besagte Freunde betrieben all das etwas intensiver, weshalb unsere dekorativen Künste weit hinter dem standen, was sie leisteten: Ich war absolut fasziniert von all den spannenden Szenarien, die sie sich für ihren Vorgarten ausdachten. Überall hingen Spinnweben und Skelette, das Fingerfood war nicht nur lecker, sondern perfekt auf das Thema abgestimmt und alles fand seinen Höhepunkt darin, dass unsere Kinder, später am Abend, mit uns um die Häuser zogen, um Süßes zu verlangen und im Idealfall auch Saures zu geben. 

Der Plan stand, die Umsetzung war ein mittelgroßes Desaster. Mit einem passenden Beutel ausgerüstet, zogen wir als Hexenmama und Hexenkind zusammen mit anderen Familien durch die Nachbarschaft. Wir hielten uns im Hintergrund auf, denn irgendwie fühlte sich das gesamte Geschehen in meinem Kopf grandioser an, als es die Realität hergab. Ich ignorierte mein Bauchgefühl, immerhin wollte ich meiner Tochter ein spannendes Erlebnis bescheren. Also klingelten die anderen an fremden Türen, während wir unserem Nachwuchs erklärten, dass sie nun auch vorgehen und ihren Beutel hinhalten müsse. Das fand sie doof. Beim ersten Mal, beim zweiten Mal und beim dritten Mal erst recht. Wie die nächsten 45 Minuten verliefen, kann man sich sicherlich denken. Die Süßigkeiten sammelten der Papa und andere Kinder ein, während die Hexenmädels darüber philosophierten, wie kalt und dunkel es bereits sei und wie schön es wäre, nun im kuscheligen Bett zu liegen. Das alles aber erst, nachdem unsere Tochter schlecht gelaunt ihren Hut wegschmiss und lautstark nach ihrem Schnuller und Schnuffeltuch verlangte. Sie hatte schlechte Laune. Und erst im Anschluss wurde mir bewusst, welch seltsame Sache ich eigentlich mit ihr plante: Ich, die ihrer Tochter immer wieder erzählt, dass man von Fremden nichts Süßes annimmt, dachte mir, dass dieses Mädchen mir nichts, dir nichts, an Türen klingelt, von denen sie nicht weiß, was sich dahinter befindet. Ich, die Mama eines vorsichtigen, schüchternen Mädchens, dachte mir also, dass sie ihr unbekannte Menschen fragt, ob sie von ihnen Süßigkeiten haben könne ... Sehr naiv, das muss ich zugeben. 

Worauf ich hinaus möchte, liegt auf der Hand: So herausragend und internettauglich die zigtausenden Rituale sein mögen, die wir an den Feiertagen mit unseren Familien begehen können, so schön sind eigene Traditionen, die wir auf die Bedürfnisse unserer Kinder abgestimmt haben. Kein kreativer Hashtag ist wichtiger als die speziellen Charakterzüge unserer Töchter und Söhne, die diese so besonderen Feste zu etwas ganz Besonderem machen. Kein perfekt gestelltes Photo wird je die Erinnerungen toppen, die unsere Kinder an diese ganz eigenen Feiertage haben werden. Viel mehr werden sie sich erinnern an die Liebe und Wärme, die sie in diesem Moment spürten. Die Liebe und Wärme, die wir geben, wenn wir unsere Kinder so sehen und nehmen, wie sie sind: Schüchtern, aufgeweckt, laut, leise, mutig, vorsichtig, lustig, nachdenklich ...

Euch allen eine vor allem entspannte und besinnliche Vorweihnachtszeit, 

Eure Madlen von Gedankenwürfelei 

Hinterlasse einen Kommentar

woocommerce social proof plugin